Toujours l'amour", Kulturpfingsten in der Lahrensmühle Leonberg, 9 Juni 2019
 

                                   Chansons d' amour - jazzig, mit Esprit und Lebenslust

 

Die Band "Bidonville" zaubert am Pfingstsonntag mit französischen Chansons ein bisschen "savoir vivre" in die Lahrensmühle.

 

                         Von Doris Alice Caumanns

 

Ein paar lässig gezupfte Saiten auf dem Kontrabass, wie improvisiert, das Akkordeon intoniert "Ganz Paris träumt von der Liebe", der Gitarrist greift das Thema auf - und dann betritt der französische Sänger Thierry Saladin die kleine Bühne in der Lahrensmühle. So beginnt ein inspirierender Abend à la francaise mit Chansons der 50er und 60er Jahre.

 

Thierry Saladin im dramatisch roten Hemd, der auch charmant moderiert und über Liebeslust und -frust philosophiert, singt vom "ciel bleu" über Paris oder auch witzig von der kuriosen Geschichte eines Hahns auf einem kleinen Bauernhof, der irgendwann dann doch als "coq au vin" im Topf landet.

Begleitet wird er von den leidenschaftlichen Jazzern Thomas Ott (Akkordeon), Oliver Biella (Gitarre) und Christoph Sauer (Kontrabass).

Bei "Paris s'éveille", wo geschildert wird, wie die französische Hauptstadt morgens um fünf Uhr langsam in den Alltag findet und die Baguettes auf ihren Auftritt beim Frühstück warten, zückt Thomas Ott seine Mundharmonika und begleitet anrührend die leisen melancholischen Beobachtungen.

 

In der berühmten Ballade "La mer" von Charles Trenet, die sich auf Claude Debussys gleichnamige sinfonische Dichtung bezieht, hört das Publikum im Akkordeon die hüpfenden Wellen des Meeres, auf denen sich Sonnenlicht und Wolken spiegeln.

 

Thierry Saladin präsentiert legendäre Chansons von Gilbert Bécaud, Charles Aznavour oder Jacques Brel - aber mit ganz eigenem Akzent: Er besitzt das herbe Timbre der großen französischen Chansonniers, dazu eine intensive dramatische Gestik, die Kopf und Herz charmant verbindet. Die groovy Jazz-Begleitung mixt  ein bisschen Pariser Flair, etwas Bohème und einen guten Schuss lateinamerikanisches Temperament zu einem spritzigen Cocktail.

Es weht ein bisschen "savoir vivre" durch die alte Mühle, in die schon der Warmbronner Bauernpoet Christian Wagner seine Getreidesäcke abgeliefert hat, und das Publikum genießt sichtlich die Leichtigkeit des Seins, die der französischen Seele so viel näher liegt als der schaffigen schwäbischen.

 

Bei "Pas de joie" ("keine Freude") zählt Thierry Saladin auf, was alles der moderne Zeitgenosse zu erdulden hat, und das gut gelaunte Publikum singt den Refrain gerne mit.

Mit zarten Balladen, wie "Ne me quitte pas" von Jacques Brel und "Et maintenant" von Gilbert Bécaud, dem damaligen "Monsieur 100 000 Volt", oder leidenschaftlich rhythmischen Chansons und auch eigenen Kompositionen von Thierry Saladin verbreitet die Band sprühende Lebensfreude.

 

"Bidonville" ("Kanisterstadt") hat ihren Namen einem Chanson von Claude Nougaro entliehen, der darin die Tristesse der südamerikanischen Favelas beschreibt, wo Kinder mit einer alten Sardinenbüchse Fußball spielen.

Das südamerikanische Temperament pulsiert in der mitreißenden Musik der Band, und so legt Thierry Saladin mit seiner Partnerin noch eine leidenschaftliche Salsa als Bonbon zum Schluss auf die unebenen Holzdielen der Lahrensmühle: pure Lebenslust!

 

Eine wundervolle Hommage an das große französische Chanson, die Lebenskunst - und natürlich l'amour! C'est 

magnifique!